Vortrag Dr. Ruth Blankenfeldt: „Kampf, Konflikt und Kriegskult bei den Germanen“


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Thorsberger Moor.
Funde aus dem Thorsberger Moor.

Mit seinen zwischen 1858 bis 1861 durchgeführten Ausgrabungen im Thorsberger Moor, Süderbrarup, legte Conrad Helvig Engelhardt, damaliger Leiter der „Flensburger Sammlung“, den Grundstein für eine zuvor unbekannte archäologische Quellengruppe. Die hier gefundenen großen Mengen an Waffen, Pferdegeschirren und Trachtelementen aber auch einzigartige Objekte aus Silber und Gold erregten schnell überregionale Aufmerksamkeit. Inzwischen können die Funde als so genannte Heeresausrüstungsopfer aus den ersten Jahrhunderten nach Christus angesprochen werden.

Es handelt sich bei den Objekten um die Überreste innergermanischer Konfliktsituationen, bei denen siegreiche Kampfverbände die Ausrüstungen der unterlegenen Einheiten an sich nahmen und in damaligen Seen und Mooren unwiederbringlich deponierten. Eine genaue Betrachtung der Gegenstände zeigt dabei Beschädigungen, die auf zuvor ausgetragene Kampfhandlungen schließen lassen. Weitere Zerstörungsspuren bezeugen allerdings auch rituelle Handlungen an den Objekten und sind im Thorsberger Moor u. a. an den Pferdegeschirren sehr gut nachzuvollziehen. Diese planvoll durchgeführten Zerstörungen sowie bestimmte Muster bei der Niederlegung scheinen wichtige Bestandteile der ehemaligen Zeremonien gewesen zu sein.

Opferplätze mit Heeresausrüstungen berichten somit in einzigartiger Weise von Kampf und militärischer Organisation aber auch religiösem Kult und politischer Machtdemonstration bei den Germanen. Ausgehend vom Thorsberger Moor, ein über Jahrhunderte aufgesuchter heiliger Platz, sollen diese Bereiche der damaligen Lebenswelt sowie die Wechselwirkungen mit dem Römischen Reich betrachtet werden.

Die Referentin: Frau Dr. Ruth Blankenfeldt stammt aus der Nähe von Osnabrück und hat in Münster und Kiel Ur- und Frühgeschichte studiert. Sie konnte 2009 ihre Promotion mit dem Titel „Studien zu den persönlichen Ausrüstungen aus dem Thorsberger Moor“ abschließen. Sie arbeitet seit 2008 als Archäologin am Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Heeresausrüstungsopfer, Kunst der Barbaren und Siedlungen der Römischen Kaiserzeit (Hoby, DK).

Ort:        Zeven, Rathaussaal (Am Markt 4, 27404 Zeven)
Zeit:       21.03.2019; 19:00 Uhr
Kosten:  kostenloser Eintritt

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