Grabungen in den Innenstädten von Rotenburg und Bremervörde

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 10.06.2008

 

Auf überraschend viele Geschichtsspuren stieß die Kreisarchäologie in der Großen Straße in Rotenburg. Ein Brunnen konnte trotz der Baumaßnahme erhalten werden.

„Bei Bauvorhaben im Innenstadtbereich werden Archäologen immer hellhörig“, erklärt Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse, „Vielfach finden sich hier trotz moderner Überbauung Spuren der früheren Stadt- bzw. Ortgeschichte“. So war ein Bau in der Großen Straße in Rotenburg geplant, der im Bereich des neuzeitlichen Stadtausbaus lag. Er betraf zusätzlich ein Gebäude, das im Kern bereits 1769 errichtet wurde. Eine archäologische Untersuchung durch die Kreisarchäologie war daher zwingend notwendig, auch wenn ungewiss war, wie tiefgründig der Boden bereits durch die Bebauung gestört war. Neben zahlreichen modernen Störungen wurden bei den Grabungen zwei (Halb-)Keller, ein Brunnen und zahlreiche Strukturen vom 17./18.-20 Jahrhundert dokumentiert. Die Funde präsentieren einen Querschnitt durch einen damals üblichen Haushalt mit Ess- und Vorratsgefäßen, Ofenkacheln und ein Terrakotta-Relief in Form eines Fisches. Im Fundgut befinden sich auch einige mittelalterliche Keramikscherben, was in diesem Areal überrascht. Vielleicht wurden sie aber nur als „Abfall“ auf das Garten- und Ackerland entsorgt. Spuren landwirtschaftlicher Tätigkeiten aus der Zeit vor der Stadterweiterung konnten ebenso festgestellt werden. Bei den Untersuchungen handelt es sich um die erste systematische Grabung im historischen Stadtbereich von Rotenburg.

Abb_01_Presseinformation200805k Archäologen auf der Suche nach dem Hospital „Zum heiligen Geist“ in Bremervörde.

 

In Bremervörde war der Neubau eines Lebensmittelmarktes am Standort der alten Post ausschlaggebend. Hier konnte im Umfeld das erste Hospital „Zum heiligen Geist“ vermutet werden, das im 15. Jahrhundert außerhalb des mittelalterlichen Stadt- und Burgbereichs, vermutlich an der Ecke der heutigen Ludwigstrasse – Alte Straße, errichtet wurde. Insgesamt wurden 900 m² Fläche untersucht. Ein direkter Hinweis auf das Hospital fand sich nicht, aber mehrere Strukturen, die u.U. damit in Verbindung stehen könnten. Weiterhin konnte das Team um die Archäologin Meike Mittmann Geschichtsspuren dokumentieren, die von den Anfängen Vördes bis in das 20. Jahrhundert reichen, u.a. ein Brunnen mit Ofenkacheln des 18./19. Jahrhunderts. Nach Untersuchungen am Großen Platz (1991-92) und am Amtsgericht (2007) handelte es sich jetzt um die dritte größere Grabung im Innenstadtbereich von Bremervörde.

In guter Kooperation mit der Planungsgemeinschaft Nord GmbH, die für beide Bauvorhaben verantwortlich zeichnet, konnten die Grabungen zügig und erfolgreich durchgeführt werden. Es gelang sogar den Brunnen in der Großen Straße zu erhalten. Er befindet sich unter dem neuen Gebäude und steht zukünftigen archäologischen Untersuchungen zur Verfügung.

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