Neue Forschungen zu Jägern und Sammlern der Steinzeit im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 08.08.2008

Eine leichte Geländeerhöhung in der Nähe des Schünsmoores bei Oldendorf bot bereits den steinzeitlichen Jägern und Sammlern vor etwa 13.000 Jahren gute Voraussetzungen. Das Schünsmoor war damals noch ein offenes Gewässer und lieferte Wasser für den täglichen Bedarf. Das erhöhte Gelände bot einen trockenen Untergrund für Zelte und einen guten Überblick über das nähere Umfeld. Die Umgebung bot ebenso gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jagd.

Der Platz bei Oldendorf wurde von den Jäger- und Sammler-Gruppen mehrmals für einige Wochen aufgesucht. Dies geschah über einen längeren Zeitraum, da inzwischen über 100 Feuerstellen in dem Bereich festgestellt wurden. Sie brannten natürlich nicht gleichzeitig, sondern wurden im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte nach und nach angelegt. Der Platz diente als Ausgangspunkt für Jagd- und Sammelaktivitäten. Nach bzw. vor der Jagd wurde an diesem Platz Gerät ausgebessert und ergänzt. Der dabei entstandene Abfall ist eine wichtige Informationsquelle für heutige Archäologen. Von den Zelten verblieben keine direkten Spuren im Boden. Nur über die Verteilung der Funde lassen sich im Idealfall Werk- und Lagerplätze genau verorten.

 

 Abb_02_Presseinformation_200807klein  Wind- und regensicher wird ein Lagerplatz steinzeitlicher Jäger und Sammler bei Oldendorf ergraben.

Seit dem Jahr 2000 wird in Oldendorf von dem Archäologen und Projektleiter Klaus Gerken im Auftrag der Kreisarchäologie gegraben. „Die Alt- und Mittelsteinzeit fristet bei Grabungsprojekten aufgrund der arbeits- und zeitintensiven Grabungsweise häufig ein Schattendasein“ erklärt Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse. „Wir sind froh, dass wir mit Klaus Gerken einen guten Kenner der Materie gefunden haben, der sich speziell diesen Zeitabschnitten im Landkreisgebiet annimmt“, so Dr. Hesse Die guten Erhaltungsbedingungen vor Ort – die Wiese, auf der sich die Fundstelle befindet, wurde nie gepflügt – und das aussagekräftige Fundmaterial machen den Ort zu einem „Vorzeigeprojekt“ für die Erforschung der älteren Steinzeiten. Die Werkzeuge aus Feuerstein können vermutlich ein neues Licht auf die Abgrenzung und Entwicklung von steinzeitlichen Gruppen im norddeutschen bzw. dänischen Raum werfen. Auf zahlreichen internationalen Fachtagungen wurde die Grabung bereits von Klaus Gerken vorgestellt und weckte auch das Interesse bei anderen Forschern. Nächste Woche werden daher britische Archäologen die Grabung aufsuchen, um sich über den Stand der Untersuchungen zu informieren und eine neu entwickelte Datierungs- bzw. Analysemethode zu erproben: Man hofft u.a. auf die Entdeckung von Rückständen eines Vulkanausbruchs im Mittelrheingebiet, der sich im April oder Mai des Jahres 10.966 v. Chr. ereignete. Dies würde Fundschichten mit einer ungeahnten Genauigkeit datieren. Die Grabung ist aber auch beim wissenschaftlichen Nachwuchs beliebt: Studenten aus Hamburg, Kiel und Bonn sind derzeit an den Grabungsarbeiten beteiligt, ebenso wie grabungserfahrene Amateurarchäologen aus dem Landkreis Rotenburg und Soltau-Fallingbostel.

 

Abb_01_Presseinformation_200807klein Der Archäologe und Projektleiter Klaus Gerken begutachtet eine so genannte „Rückenspitze“.

Zur Aufarbeitung der Fundstelle konnten inzwischen von Klaus Gerken auch renommierte Fachwissenschaftler anderer Disziplinen gewonnen werden, die beispielsweise Gebrauchsspuren untersuchen oder die Holzkohlereste analysieren. Nach Abschluss der Auswertung wird somit ein erstaunlich klares Bild eines steinzeitlichen Lagerplatzes im Landkreisgebiet entstehen.

Weitere Geländeuntersuchungen sollen abklären, ob im Randbereich des Schünsmoores mit dem Erhalt von organischen Materialien (Holz, Pflanzenfasern etc.) zu rechnen ist. Dies würde dem Fundplatz noch einmal eine ganz andere Qualität geben.

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